Fernwärmevorrang

Fernwärmevorrang

 

Der Ausbau der Fernwärme ist bereits seit dem Energieplan 1984 als vorrangige Maßnahme unumstritten, auch die Europäische Union unterstützt dies durch gesetzliche Rahmenbedingungen und Fördermaßnahmen. Seitens des Bundes wird der Ausbau von Fernwärme seit langem im Rahmen der Umweltförderung im Inland (UFI) wie auch durch das Bundesgesetz, mit dem die Errichtung von Leitungen zum Transport von Nah- und Fernwärme sowie Nah- und Fernkälte gefördert wird (Wärme- und Kälteleitungsausbaugesetz), unterstützt. Fernwärmegebiete werden jedoch in Zukunft zunehmend mit der thermischen Sanierung von Gebäuden und damit einem möglichen Rückgang der Wärmeabnahme konfrontiert werden, was bei der Konzeption neuer Netze wie auch bei Maßnahmen in bestehenden Netzen einzuplanen ist.

In Österreich und in der Steiermark werden viele Fernwärmenetze aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen versorgt. Die 2013 eingetretene gravierende Veränderung des europäischen Strommarktes auf Grund eines temporären Überangebotes, bedingt vor allem durch Ökostromanlagen in Deutschland (Wind und Fotovoltaik), hat das Strompreisgefüge vollständig verändert. Der Strompreis ist zeitweise dramatisch gesunken, sodass die Spanne zwischen Brennstoffeinkauf (vor allem Erdgas) und Stromverkauf den Betrieb von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen unrentabel macht. Darunter leiden auch modernste und gerade eben erst errichtete Anlagen wie die zwei 400 MW-Blöcke auf Erdgasbasis in Mellach bei Graz - die Eigentümerin Verbund AG musste einen Großteil der Investition abschreiben und die Anlage stilllegen.

Der Neu- und Ausbau von Fernwärmeanlagen auf der Basis von nicht heimischen Rohstoffen ist somit grundsätzlich in Frage zu stellen, zumindest so lange, als das Strommanagement in ganz Europa nicht wieder vollständig beherrschbar ist und die bisher bekannte Preisstabilität wieder eintritt.