Erneuerbare Energie

Objekt des Monats 5/2017: Studierenden-Wohnheim mineroom Leoben

Weltweit größtes Studierenden-Wohnheim in Holzmischbauweise / Passivhausqualität

mineroom © Jorj Konstantino
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© Jorj Konstantino
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Mit einer Nutzfläche von knapp 6.000 m² ist das „mineroom Leoben" das weltweit größte Studierenden-Wohnheim in Holzmischbauweise und Passivhausqualität. Geplant wurde das Gebäude von aap.architekten ZT-GmbH. Mit 926 Punkten erreicht es klimaaktiv GOLD Standard.

Leoben beherbergt mit der Montanuniversität über 4.000 Studierende von allen Kontinenten. Da ein großer Bedarf an Wohnmöglichkeiten herrschte, entwickelte die Gemeinnützige Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Ennstal in Zusammenarbeit mit der Stadt Leoben und der Österreichischen Austauschdienst-Wohnraumverwaltung (OeAD-WV) ein Konzept für die Auslobung eines Wettbewerbes für ein Wohnheim für 200 Studierende in Passivhaus- und Holzbauweise.

Der Bauplatz liegt im Süd-Westen von Leoben. Der Hauptplatz von Leoben befindet sich in einer fußläufigen Entfernung von 1,5 km, die Universität ist 1,8 km entfernt. Diverse Nahversorger sowie ein kleines Einkaufszentrum sind in 2 Gehminuten erreichbar.

Städtebauliches Konzept und Gebäudestruktur. Der Baukörper wurde aus einer Blockrandbebauung entwickelt, der sich zur niedereren Bebauung im Westen öffnet. Dies schützt den Innenhof und Garten vor Straßenlärm. An Teilen der Südfassaden wurden „grüne Wände" aus Pflanztrögen vorgesehen. Die zurückgesetzte und teilweise transparente Erdgeschoßzone ermöglicht Einblicke in das studentische Leben und Durchblicke in den Hof und schafft eine witterungsgeschützte Begegnungszone vor dem Gebäude.

Die formal klaren Baukörper wurden mit einer plastischen, mehrfärbigen Holzschalung verkleidet. Die vorgegraute Stulpschalung, die immer wieder aus der glatten unbehandelten Lärchenholzschalung hervorbricht, zieht sich aderförmig über das Gebäude und wird sich im Laufe der Zeit in verschiedenen Grau-, Braun- und Rottönen unregelmäßig verfärben.

Stuben für Kumpel. „Stollen" führen als unregelmäßig breite Gänge durchs Gebäude, durchbrechen immer wieder die Gebäudehaut und öffnen sich in Form von allgemein genutzten Stuben und Wohnungs-Gemeinschaftsräumen nach außen. Dadurch werden alle Gang- und Stiegenflächen natürlich belichtet. In Stuben und Gängen wurden großflächige Fototapeten mit Motiven aus Bergbau und Technik achiffiert. Die Fotos wurden vom Rektor der Montanuniversität zur Verfügung gestellt.

Konstruktion. Mit Ausnahme des Eingangsbereiches, des Kellergeschosses und der beiden Stiegenhäuser wurde das gesamte Gebäude in Holzbauweise errichtet. Die Außenwände bestehen aus einer vorgefertigten, mit Mineralwolle ausgedämmten Holzriegelkonstruktion. Im Gebäude wurden für die Tragkonstruktion und die Fassade ca. 1.900 m³ Holz verbaut, dadurch wurden hier ca. 2.000 Tonnen CO2 gebunden. Auf Trennwänden und Decken sind Vorsatzschalen aus Gipskarton angebracht, um den brand- und schallschutztechnischen Anforderungen zu entsprechen.

Das Haus bietet neben Einzelappartements, Doppelzimmer sowie Wohngemeinschaften für 2-5 Bewohner auch Wohn- und Gemeinschaftsräume sowie Freiflächen in Hof und Garten. Vor den Fenstern der Wohnküchen der größeren Wohngemeinschaften gibt es Loggia-artige Rücksprünge, wo sich Pflanztröge befinden, welche zur Hälfte mit Küchenkräutern bepflanzt wurden. Den Rest der Fläche können die Studierenden selbst bepflanzen. In jedem Stockwerk bieten sogenannte Stuben individuelle Rückzugsbereiche. Im Erdgeschoß befinden sich weitere gemeinschaftlich genutzte Räume wie das erweiterte Wohnzimmer, ein Waschsalon, Musikübungsraum, Besprechungs- und Lernräume, Fitnessraum und ein Mehrzweckraum. Im Hof gibt es Sitzgelegenheiten und Tischtennis, im Garten Holzdecks.

Neben einer hocheffizienten Lüftungsanlage mit Wärme- und Feuchterückgewinnung, einer optimierten Gebäudehülle und einer größtmöglichen PV-Anlage wurden auch stromverbrauchende Komponenten optimiert und Standby-Funktionen vermieden. Das gesamte Objekt wurde mit LED-Beleuchtung ausgestattet. Ein Platz bzw. Leerverrohrungen für einen möglichen Batteriespeicher wurden bereits vorgesehen.

„Durch das gute Zusammenspiel von einem engagierten und hochkompetenten Planungsteam und den ausführenden Firmen ist das Ergebnis eine nachhaltige Architektur und eine wirtschaftliche Konzeption in der Ausführung und dem Betrieb des klimaaktiv zertifizierten Studierenden-Wohnheimes.", so der Bauherr.

Das Studierenden-Wohnheim mineroom Leoben wurde am 1. Oktober 2016 nach nur 11 Monaten Bauzeit eröffnet. Das Gebäude ist klimaaktiv GOLD zertifiziert. Eine Zertifizierung durch das Passivhausinstitut Innsbruck ist ebenfalls erfolgt, es wurde Passivhaus Plus Standard erreicht.

Studierenden-Wohnheim mineroom Leoben

Bauträger/Bauherr: Gemeinn. Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Ennstal reg. Gen. m. b. H. Liezen
Betreiber: OeAD-WV
Totalübernehmer: ARGE SWIETELSKY Baugesellschaft m.b.H. & Weissenseer Holz-System-Bau GmbH
Architektur: aap.architekten ZT-GmbH
Bauphysik: Schöberl & Pöll GmbH
Haustechnikplanung: BPS Engineering

Plausibilitätsprüfung: Heidrun Stückler, Energie Agentur Steiermark gGmbh

Weitere Informationen Externe Verknüpfung hier.

Quelle: klimaaktiv / V 2017